Reise zu sich selbst

Wie wäre es mit einem Urlaub der besonderen Art?

Noch nie verreisten die Deutschen so viel wie heute. Die Angebote unterbieten sich im Preis oder übertreffen sich in der Exotik. Das Geschäft mit dem Urlaub blüht. Es kann gar nicht billig oder verrückt genug sein.

Oft geht es bei der Planung in erster Linie darum, im Kollegenkreis oder bei den Nachbarn für Gesprächsstoff zu sorgen. Denn dort heißt es vor den Ferien schon monatelang: Wo machen Sie Urlaub? Und nach den Ferien wird man gefragt: Und, wie war’s?

Ich habe dabei oft den Eindruck, dass es weniger darum geht, sich wirklich zu erholen. Während der Trekkingtour freut man sich vielmehr schon darüber, dass man später mit Videos, Fotos und Erzählungen von seinen Erlebnissen berichten kann. Kaum ist man da, ist man in Gedanken schon wieder weg. Vom Genießen des Augenblicks in der freien Zeit keine Spur!

Das Leben fängt jedoch nicht erst auf Teneriffa oder Sizilien an. Die Freizeit sollte nicht zum neuen Stressfaktor werden. Wie wäre es also mit einem billigen und verrückten Urlaub der besonderen Art?

Im nächsten Landkreis gibt es schöne Appartements und Ferienhäuser. Erkunden Sie das Netz der Wanderwege. Genießen Sie Heimatmuseen und idyllische Dörfer abseits der Hauptstraßen. Sehen Sie in die Gesichter der Menschen vor Ort. Erfahren Sie eine Gastfreundschaft, die nicht den Makel von Billiglöhnen und Landschaftsverbauung trägt.

Sie könnten auch auf Ihren Wohnort zuwandern. Gehen Sie an Ihrer Wohnung vorbei. Nehmen Sie die Nachbarschaft mit dem Blick eines Fremden wahr. Schauen Sie mit Urlaubsaugen in Ihre Pfarrkirche. Sie werden staunen, wie viel Glanz davon ausgeht. Und für das Gesprächsthema nach dem Urlaub sorgen Sie so allemal!

Bruder Paulus

aus: LiMa 07/2007